meine buch vom leben und sterben

14.99

„Trostlektüre in etwas anders: junge freche Lyrik und Liedtexte, in denen dem Sensenmann der Schrecken genommen wird.“ (Matthias Bongard, im WDR West Art Magazin)

„Dada Peng schafft es, das Sterben so selbstverständlich in den Alltag zu integrieren wie das Leben.“ (Paul Kieras, General Anzeiger Bonn)

»Dieses Buch hat mir sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben und meine Sicht auf das Thema Tod verändert.« (Finja Wehmeier, 17 Jahre)

 

LESEPROBE:

Sterben ist Transformation!

ich bin kürzlich in köln jemanden begegnet, der ganz viele ähnliche erfahrungen im leben gemacht hat wie ich. wir dachten über das leben, über den tod so ähnlich, wie ich es zuvor kaum mit jemanden erlebt hatte. wir unterhielten uns stundenlang, philosophierten und kannten jeweils alle bücher, die der andere zuvor gelesen. ich war fest davon überzeugt davon, einen neuen freund fürs leben gefunden zu haben. zehn minuten später, kurz nachdem wir uns verabschiedet hatten, überkam mich dann aber doch das gefühl, dass er schon irgendwie abgedreht sei und mir sein ganzes spirituelle gelaber sicherlich mit der zeit auf den keks gehen würde. das leben mit mir selbst ist nicht immer einfach, das kann ich euch sagen. 

manchmal wünschte ich mir, ich wäre heidi klum.
einfach dumm, dünn und gut aussehend. und dann wünsche ich mir auch nicht immer wieder in einem eiswürfel oder an einer strassenkreuzung etwas zu entdecken, das mich berührt. nicht immer wieder dem sterben zu begegnen.

als meine mutter krank wurde, dachte ich wirklich:
nee,ne! das passiert jetzt einfach nicht.
ich habe die diagnose einfach abgetan, verdrängt. mein größter wunsch war es, wenn dies nun wirklich passieren sollte, wenn meine mutter an krebs sterben sollte, dann möchte ich nach amerika gehen und erst wieder kommen wenn alles vorbei ist. und dann geschieht einem dieser sommer, er geht vorüber und im darauf folgenden frühling sitzt man da und es ist vorbei, es ist geschehen. und man war doch dabei, hat es überlebt und es sind dinge an einem geschehen, die verrückt und kaum zu begreifen sind. man möchte sie erklären und kann es nicht. man nimmt sie einfach mit, man bleibt mit ihnen zurück und es geht weiter.

ein solches erlebnis war beispielsweise, als ich in meiner kleinen wohnung in köln eines abends saß, musik hörte und versuchte zu begreifen, was da an meiner Mutter geschah. ich überdachte wirklich an diesem abend mein denkkonzept vom leben und sterben. ich versuchte zu begreifen, was während des sterbens passiert. in wie fern der körper hülle oder rückstand war.
ich weiß gar nicht mehr, in welchem krankheitsstadium meiner mutter oder zu welcher zeit es gewesen ist. vielleicht drei oder vier wochen bevor sie starb.
ich wollte mir einen gin tonic mixen und hatte weder eis noch zitrone im haus. ich ging hinüber zum rewe und kaufte diese rieseneisbeutel mit eiswürfeln darin sowie mehrere zitronen.
zu hause wollte ich dann den eisbeutel in mein viel zu kleines eisfach pressen, was natürlich nicht gelang.
also nahm ich ein paar eiswürfel aus dem beutel, warf sie in die spüle und presste dann zufrieden den beutel ins eisfach.
ich mixte mir meinen gin tonic, legte irgend eine musik auf, ich glaub es war buddha bar oder etwas ähnliches und wollte noch das licht in der küche dimmen, als mein blick auf die spüle und die darin liegenden eiswürfel fiel.
ich lehnte mich an den schrank, mit meinem gin in der hand, mit musik auf den ohren und beobachtete, wie die eiswürfel schmolzen. einen davon ganz besonders. ich nannte ihn harry.
harry verlor ganz sanft seine form.
ganz so wie der körper meiner mutter.
ich stand da und blickte, trank und atmete bis der harry ganz seine form verloren hatte und im ausguss verschwunden war. so wie auch der körper meiner mutter verschwinden würde.

ich sagte leise : „adieu harry“ und dachte: „wie tötet man eigentlich einen eiswürfel?“

klar, ich kann ihn kaputt machen, ich kann ihn schmelzen lassen, aber dann ändert er ja nur seine form, dann ist er halt wasser und dann? wie töte ich wasser?
ich kann es kochen, bis es verdampft, aber dann ist es trotzdem nicht weg, sondern wasserdampf. und wie töte ich wasserdampf? egal was ich tue, ich kann die form des eiswürfels verändern, aber kann ihn nicht töten. ich kann es nicht vollbringen, dass die moleküle, die ihn ausmachen, die ihn existieren lassen, das die nicht mehr da sind. und da verstand ich: harry lebt!

und genau so ist es auch bei dem körper meiner mutter. und bei meinem körper und bei allem das da ist und lebt.
es ist ein unterschied, diese dinge irgendwo zu hören, zu lesen und sie als logisch und gut zu erachten oder sie selbst zu erleben. seit diesem tag in meiner küche in köln, bin ich der festen überzeugung, dass der tod transformation bedeutet. er ist ein übergang von hier nach dort. von einem daseins zustand zu einem anderen.

womit wir wieder beim anfang der geschichte wären:
wenn mir das jemand anders erzählt hätte…..☺️

aus Dada Peng „mein buch vom leben und sterben“

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Beschreibung

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Gewicht 250 g

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